Es gibt viele Möglichkeiten, sich von Tugenden inspirieren zu lassen. Zum Beispiel über die Tugend der Woche. Machst du mit? Mit diesem Newsletter empfängst du die Tugendliste für 2025. Auf der Homepage www.virtuesproject.works und in den Social Media kannst du jede Woche die aktuelle Tugendkarte lesen. Weltweit möchte das Virtues Project mit derselben Tugend der Woche Menschen inspirieren und so rund um den Globus ein positives Zeichen setzen. Dankbarkeit ist die Tugend der Woche, mit der dieses Jahr endet und das neue beginnt. Stell dir vor, dass dann überall in der Welt Menschen über die Kraft der Dankbarkeit nachdenken…
Routine
Wie kannst du mit einer Tugend in die Woche starten? Und wie nimmst du sie mit in den Rest der Woche? Wie wird die Reflektion über eine Tugend zur täglichen Routine?
Versuche, jeden Montag einen festen Moment als Tugendmoment einzuplanen. Kombiniere dies mit einer Routine, die du sowieso schon nutzt. Vielleicht liest du die Tugend der Woche als allererstes morgens auf deinem Telefon als Start in den Tag? Vielleicht liest du sie zum Frühstück vor der Tageszeitung? Hänge sie dir an den Spiegel und lies sie beim Zähneputzen. Fährst du mit dem Zug zur Arbeit? Dann kannst du unterwegs die Tugendkarte lesen. Wenn du Tugendkarten hast, kannst du die Tugend der Woche in einem Kartenhalter als Blickfang an einem gut sichtbaren Platz aufstellen. Oder du nutzt sie als Lesezeichen – und Erinnerung - in dem Buch, das du liest, oder als Bildschirmschoner am Laptop.
Du kannst auch andere mit der Tugend der Woche inspirieren. Lies sie zum Frühstück gemeinsam mit deinen Kindern oder dem Partner. Teile sie in einer Whatsapp-Gruppe mit anderen. Lehrkräfte können sie am Montagmorgen mit den Schülerinnen und Schülern lesen. Oder teile sie mit deinen Kollegen: Das Vorlesen einer Tugendkarte ist ein idealer Check-in-Moment für ein Meeting.
Reflektionsfragen
Wie liest du die Karte? Du kannst dir einen Satz aussuchen, der dir besonders gut gefällt. Dieser kann dich inspirieren, deine Einstellung für diese Woche manifestieren. Vielleicht möchtest du das Zitat als Leitfaden für die Woche nutzen? Oder du konzentrierst dich auf die Affirmationen, das sind die Sätze auf der Rückseite der Karte, die mit „ich“ anfangen.
Mit Reflektionsfragen kannst du eine Tugend besser kennen lernen. Zum Beispiel bei der Dankbarkeit: Woran denkst du, wenn du das Wort Dankbarkeit liest? Welche Beispiele für Dankbarkeit fallen dir ein? Wie zeigst du selbst Dankbarkeit? Wann warst du zuletzt dankbar? Wozu lädt diese Tugend dich ein? Welches Zitat, welche Redewendung fällt dir dazu ein?
Nach und nach lernst du so alle Tugenden immer besser kennen, Woche für Woche. Und du erkennst sie besser – in dir selbst und in anderen. Wie heißt es so schön: Die Dinge, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken, wachsen. Der Fokus auf die positiven Charaktereigenschafen in uns und den Menschen um uns herum bringt so viel Positives mit sich. Achte im Laufe der Woche darauf, ob die Tugend bei dir oder jemand anderem entdeckst. Wenn ja, nutze die Gelegenheit – feiere die Tugend mit einer Tugendanerkennung. „Ich sehe deine Geduld, du hast gewartet, bis ich fertig war.“ oder „Ich habe Mut gezeigt und um Hilfe gefragt, als ich alleine nicht weiterkam.“
Einladung
Und was, wenn eine Tugend der Woche dich überhaupt nicht anspricht? Weil dir ein bestimmtes Wort nicht gefällt oder du negative Assoziationen damit verbindest? Vielleicht passt sie auch nicht zu deinem Gefühl heute? Dann lade ich dich mit der Tugend der Offenheit ein, dir gerade diese Tugendkarte ganz besonders zu Herzen zu nehmen.
Jede Tugend kann nämlich eine Bestätigung oder eine Einladung sein. Wenn du dich nicht angesprochen fühlst, lädt die Tugend dich ein, genauer hinzusehen. Was bedeutet diese Tugend eigentlich? Hat sie vielleicht noch eine Seite, die du noch nicht kennst? Was will sie dir sagen, wozu lädt sie dich ein? Vielleicht entdeckst du, dass du diese Tugend für dich eine besondere Botschaft enthält – dass du sie für dich selbst nutzen solltest, nicht für andere. Oder dass diese Tugend zu stark ist und du sie mit einer anderen ins Gleichgewicht bringen kannst. Was entdeckst du? Tugendeinladungen können wunderbare lehrreiche Momente sein.
Ein Beitrag von Uta Halbreiter, Master Facilitator int. Virtues Project
Wenn du dich von den Tugenden leiten lässt, erlebst du die überraschendsten Dinge… Seit knapp anderthalb Jahren arbeite ich in meinem Wohnort in den Niederlanden als Welzijnscoach – Wohlfühlcoach oder Sinnfluencer, wie ich es im Deutschen nenne. Ich bin eigentlich Journalistin und Übersetzerin, habe gar nicht den erforderlichen Studienabschluss Soziale Arbeit, aber die Tugendabende und Tugendtreffs für Eltern, die ich bis Corona jahrelang angeboten habe, hatten sich offenbar positiv herumgesprochen. Und so darf ich – nach ein paar Trainingseinheiten „positive Gesundheit“ in unserem Städtchen das Pilotprojekt „Wohlfühlen auf Rezept“ einrichten und ausführen.
Praktisch bedeutet das, dass die Hausärzte und Psychotherapeuten in den acht Praxen unserer Großgemeinde die Patienten an mich überweisen, die psychotherapeutische und/oder körperliche Beschwerden haben, für die Behandlung, Medikation oder Therapie keine (ausreichende) Lösung bieten. Als Wohlfühlcoach lade ich sie zum Gespräch ein, gemeinsam untersuchen wir, was (wieder) Farbe in ihr Leben bringen kann, um ihre psychische Gesundheit zu stärken. Zufriedenheit, Lebensfreude und Sinngebung sind schließlich überlebenswichtige Faktoren für das Wohlbefinden jedes Menschen.
In diesen Gesprächen setze ich vor allem Strategie 5 ein, ein bisschen Pace of Grace, auf jeden Fall Strategie 1 und je nach Gefühl und Wellenschlag auch die anderen drei Strategien des Virtues Project. Diese Coachinggespräche sind jedes Mal zutiefst berührend und lehren mich, bescheiden, dankbar und verständnisvoll zu sein.
Wer mich kennt, weiß, dass ich auch sehr gerne vor (großen) Gruppen stehe… In den Niederlanden müssen Hausärzte und Psychotherapeuten regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen, um ihre Zulassung zu behalten. Zufällig lernte ich eine Mitarbeiterin ihrer Branchenorganisation in meiner Region kennen, die ganz begeistert von der Idee der Tugendbrille war. Gemeinsam entwickelten wir ein Konzept für den nächsten Ausbildungstag: Ich schrieb ein für die Zielgruppe zugeschnittenes zweistündiges Abendprogramm über meine Arbeit als Wohlfühlcoach mit den Tugenden und den 5 Strategien. Ein Theater wurde gebucht. Für jede Praxis wurde eine bunte Tugendbrille bestellt, versehen mit einer Visitenkarte der Branchenorganisation mit lauter bunten Tugenden auf der Rückseite zur Inspiration im Praxisalltag.
Und so saßen an zwei Abenden je 100 Ärzte und Therapeuten im Theater in Venlo, um das Virtues Project kennen zu lernen. Der Einstieg war direkt interaktiv: Alle Besucher durften sich mit ihrem Sitznachbarn austauschen, welcher Mensch für sie eine Inspiration ist und warum – mit der Tugendliste im Blick. Dann las ich eine Tugendkarte vor – die Hilfsbereitschaft – mit der Frage, welcher Satz sie anspricht. Auf dem Foto seht ihr, wie ich einen Ball ins Publikum werfe – wer fängt, darf antworten 🙂
Auf der Bühne stand mein Arbeitsplatz: ein Tisch, zwei Stühle. Dort spielte ich vor, wie ich mich bei Strategie 5 zurücklehne, zuhöre und mein Gegenüber die eigenen Antworten finden lasse. Wir übten die Tugendsprache, sie durften als Praxisprofis ihre eigenen Best-Practice-Beispiele präsentieren und zu guter Letzt auch auf die Suche nach den Tugenden in sich selbst gehen: Welche starken Eigenschaften haben sie, welche möchten sie noch entwickeln? Zum Abschluss las ich die Geschichte vom Stuhl vor, man hätte eine Stecknadel fallen hören können…
Vor anderthalb Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals für diese Zielgruppe einen Inspirationsabend machen würde. Welche Überraschung hält die Arbeit mit den Tugenden und den 5 Strategien für dich in petto?
Im März 2023 war es soweit: der erste Tugenddetektiv-Einsatz in einer Trierer Grundschule stand an. Ich stand vor einer Klasse Erstklässler und war unglaublich aufgeregt: geht das Konzept auf, mit Schulklassen Tugendarbeit zu machen? Sind die Strukturen in Schule und Klassenverbänden nicht zu fest gefahren, um mit diesem Ansatz tatsächlich etwas zu bewirken? So überzeugt ich von dem Tugendansatz bin, so sehr zweifle ich am System Schule. Als Spiel- und Theaterpädagogin habe ich mir ganz bewusst die außerschulische Bildung ausgesucht. Und nun stand ich genau da. Wie war ich nur da hin gekommen?
Tatsächlich hatte mich im Herbst 2022 eine Mitarbeiterin des Jugendamtes angesprochen. Sie hat den Tugendansatz und dessen Wirkung durch meine Elternarbeit mitbekommen und war als Mutter verzweifelt über die Situation der Kinder in den Schulen. Sie bat mich ganz konkret, ein Schulklassenprogramm zu entwickeln, das in den Schulen das Miteinander und den Zusammenhalt wieder stärkt. Sie hat einen Fördertopf für Familienbildung, daraus könnten die Programme bezahlt werden.
Also machte ich mich ans Konzept, überglücklich, diesen wunderbaren Ansatz über ganze Klassen und Schulen verbreiten zu dürfen. Und es entstand das Projekt „WIRklICH klasse“. Im Titel steckt alles wichtige: ein WIR, ein ICH und eine Klasse die klasse ist.
Die Idee war, von Anfang an die Erwachsenen mit zu schulen. So entstand ein dreiteiliger Aufbau:
Fachkräfteschulung: in einer anderthalbstündigen Schulung werden die Lehrkräfte im Tugendansatz gebrieft, mit Fokus auf Strategie 1 „die Sprache der Tugenden sprechen“.
Elternabend: dasselbe gibt es in angepasster Form nochmal für alle Eltern. Gleichzeitig wird ihnen das Projekt vorgestellt und sie werden gebeten, uns zu unterstützen, indem Sie die Tugendsprache ab sofort auch zu Hause einführen :o)
Klasseneinsätze: drei Mal anderthalb Stunden arbeiten wir mit der Klasse über drei Wochen hinweg. Im Anschluss daran gibt es eine Evaluation mit den Fachkräften.
Als Spiel- und Theaterpädagogin überlegte ich mir erst einmal eine Rolle: die Rolle der Tugenddetektivin. Was macht ein Detektiv? Er kann die kleinsten Spuren lesen und zuordnen. Er kann verlorene Sachen wieder finden. Er kann beobachten, verfolgen, kombinieren. Genau das ist mein Job, und mein Spezialgebiet sind die TUGENDEN! Als Tugenddetektivin stelle ich mich also der Klasse beim ersten Einsatz vor und beweise mein Können mit einer Edelsteinrunde. Jedes Kind bekommt einen Edelstein und direkt eine spontane Tugendrückmeldung von mir. So hat jedes Kind direkt drei Tugenden auf seinem Edelstein stehen. Und dann frage ich die Klasse, ob sie von mir auch ausgebildet werden wollen und es startet die dreistufige Ausbildung zum Tugenddetektiv. Im ersten Modul bauen wir unsere detektivischen Fähigkeiten aus und benennen sie mit Tugenden. Im zweiten Modul geht es konkret um die Tugend der Zusammenarbeit und alle damit verbundenen Tugenden. Im letzten Modul geht es um Gefühle und Ermutigung und dabei zeigt die Klasse ihre erworbenen Fähigkeiten in der Tugenddusche für jedes Kind. Ein Zertifikat wird überreicht mit der Auflage, seine Fähigkeiten täglich zu üben und damit Frieden und Zusammenarbeit in die Welt zu bringen. Der übervolle Edelstein darf nach Abschluss des Projektes stolz mit nach Hause genommen werden.
So der Plan.
Und nun stehe ich also hier, von einer Lehrerin gebucht, die in ihrer Klasse verzweifelt und es ist tatsächlich ziemliches Chaos. Durchatmen, los geht es. Ich packe meine Detektiv-Utensilien aus dem Koffer,: Lupe, rosarote Brille, Riesenohren, die Pipeline, ein Tau...stelle mich vor, verteile die Edelsteine, gebe jedem Kind Rückmeldung – all das klappt wunderbar, da ich als Gast noch „Welpenschutz“ habe UND DANN, weil sie spüren, was der Ansatz bewirkt!
Ich sage also: „Nun wisst ihr, wie ich arbeite: ich kann kleinste Spuren von Tugenden entdecken und zuordnen, ich kann helfen, verlorene Tugenden wieder zu finden. Was denkt ihr denn, wozu ist meine Arbeit gut?“ Und schon sind wir mitten drin im schönsten Gespräch „man fühlt sich ganz stark“, „du machst traurige Menschen wieder froh“, „man glaubt wieder mehr an sich“ sind Antworten der Kinder. Und meine Frage „möchtet ihr auch ausgebildet werden?“ Wird mit einem lauten „JAAAA“ beantwortet.
Und ab da läuft es einfach - okay, nicht immer einfach – aber es funktioniert:
die Kinder lieben es, sich mit den Tugenden auseinander zu setzen!
sie lieben den Fokus auf das Gute
sie lauschen mit Ruhe und Hingabe den Geschichten
sie lieben die aktiven Spiele und Methoden
in vielen Klassen kommt es zu tiefen Gesprächen
sie überzeugen oft ihre Lehrer davon, wie viel Freude die Tugendarbeit macht
in der letzten Stunde sammeln wir alle Tugenden, die die Klasse inzwischen kennt, an der Tafel: es sind immer weit über 30!
Inzwischen haben wir auch eine Idee für die Tafel gefunden, um zu erklären, was Tugenden sind: T olle U nsichtbare G ute E igenschaften i N D ir
Alle Kinder kommen mit der Zeit darauf, dass Tugenden aber „sichtbar werden, wenn man sie benutzt“ (O-Ton einer Schülerin).
Von März bis Dezember 23 wurde WIRklICH klasse in 18 Schulklassen, einer Hortgruppe und drei Kindergartengruppen durchgeführt. Es fanden 9 Elternabende und Teamschulungen als Einführung in den Tugendansatz und stärkenorientierte Erziehung statt. 370 Kinder, über 250 Elternhäuser und ca. 30 LehrerInnen und Schulsozialarbeiterinnen wurden so mit diesem Ansatz vertraut gemacht. Der Andrang war noch viel höher: mehr als doppelt so viele Schulen hatten sich bei uns gemeldet, konnten aber noch nicht besucht werden. Im Sommer 23 konnte ich eine Mitarbeiterin gewinnen, die mehrmals hospitierte, ein zweitägiges Tugendseminar bei mir absolvierte und dann ab Herbst mit in die Schulen gehen konnte. So konnten wir mehr Klassen besuchen, aber noch lange nicht alle.
Leider sind die Mittel aus dem erwähnten Fördertopf jedes Jahr schon zu den Sommerferien erschöpft, weil keiner mit diesem Andrang gerechnet hat. Im zweiten Halbjahr können wir das Programm immer nur für Selbstzahler anbieten. Momentan suchen wir also nach alternativen, langfristigen Fördermöglichkeiten und nach Alternativen, den Tugendansatz in die Schulen zu bringen.
So haben wir dieses Jahr damit begonnen, neben unseren Einsätzen in Schulen und Horten auch Schulsozialarbeiterinnen direkt im Tugendansatz auszubilden. Wir haben drei Materialkoffer für den Tugendeinsatz in Schulen entwickelt, die die Schusos nutzen können, wenn Sie Tugendstunden anbieten möchten. So kommen aktuell drei Trierer Schulen in den Genuss, wöchentliche Tugendstunden mit ihren Schulsozialarbeiterinnen zu bekommen.
Um sie zu unterstützen, aber auch um Lehrer zu animieren den Ansatz langfristig anzuwenden, haben wir die Hoempage „wirklichklasse.de“ entwickelt. Mit Methoden, Anregungen und auch Geschichten zu den Tugenden. Zugriff bekommt man über ein Passwort, das alle Fachkräfte bekommen, wenn Sie eine Schulung bei uns hatten. Ich verrate es hier auch:3BohnenGraefin. Hä? 3 was?
Die Geschichte der Gräfin mit den drei Bohnen bildet bei Lehrern, Eltern und Kindern das Ende des ersten Treffens. Dazu schenke ich allen Teilnehmenden drei Bohnen und gebe ihnen den Auftrag, jeden Tag drei Dinge zu benennen, für die sie dankbar sind. Die Klasse bekommt diese Übung als allerersten Detektiv-Auftrag, den ich eine Woche später abfrage. So ist der Lehrer auch in „Zugzwang“ die Dankbarkeitsmethode anzuwenden und den Blick auf das Gute zu schärfen. Eltern bekommen den Auftrag, jeden Tag drei Tugenden ihrer Kinder zu benennen, am besten direkt im Gespräch mit ihren Kindern. So zieht sich die Geschichte der glücklichen Gräfin durch alle Teile des Programms und bietet direkt einen praktischen Ansatz, die Tugend der Dankbarkeit und Wertschätzung zu kultivieren. Und das ist die Grundlage für Ermutigung und Befähigung, die Pfeiler, auf denen unsere Welt aufgebaut sein sollte.
Wir werden stets zu herausfordernden Klassen gerufen. Meine Frage „wisst ihr, warum ich gerade bei euch bin“ beantworten sie meistens mit „weil wir so laut sind“ oder „weil wir das noch nicht können“. Meine Antwort ist dann „Nein, weil mir gesagt wurde, dass hier kreative, offene und mutige Kinder sind. Genau euch brauche ich für die Ausbildung und genau euch braucht die Welt, um wieder friedlicher und achtsamer miteinander umzugehen.“ Es senkt sich dann immer eine tiefe, glücklich-staunenden Ruhe über die Klasse. Wenn ich diesen Satz bei den Elternabenden sage, haben die Eltern Tränen in den Augen. Dabei ist es doch einfach nur die Wahrheit – und alle dürfen lernen, sie zu sehen! Schön, oder?
14 Master Facilitator aus vier Erdteilen trafen sich am 12. September online auf Einladung des IAC (int. Beirat des Virtues Projects). Der IAC möchte einerseits Verbindung zwischen (Master) Faciliatoren in aller Welt ermöglichen und ist andererseits interessiert daran, wie in den unterschiedlichen Ländern mit dem Virtues Project gearbeitet wird.
Thema dieses Mal war die Vertiefung. Wie unterscheidet sich ein Online-Workshop vom einem Live-Training? Was stellst du den Teilnehmenden in Rechnung und wofür? Welches Material verwendest du? Was brauchst du noch, was fehlt?
Aus Jordanien, Kanada, Südafrika, den USA, Schottland, Japan, Honduras, Finnland, Tansania, Kenia, von den First Nations aus Kanada und natürlich aus Deutschland (wenn auch zugeschaltet aus den Niederlanden) kamen die Teilnehmenden. Entsprechend unterschiedlich waren die Antworten. In Kanada passt man sich an den Standardpreis an, den andere Trainer berechnen. In Kenia, wo gleich drei Master Facilitator vor der Gruppe stehen, sind die Workshops für Lehrkräfte kostenlos, da es sonst gar keine Teilnehmenden gäbe. Im Breakout führte die Frage nach dem Preis für einen Virtues-Workshop zu heißen Diskussionen rundum Tugenden wie Wertschätzung, Dienstleistung, Selbstfürsorge und Nachhaltigkeit.
Auch zu anderen Themen war der Austausch lebhaft und lehrreich: Wie können wir mehr Menschen dazu bewegen, einen Workshop zu besuchen? Besseres Marketing, mehr übersetzte Materialien oder die 5 Strategien vorleben, so dass andere neugierig werden…
Gelernt habe ich, dass der Preis für das Leaders´ Manual von 100 kanadischen Dollar kein unveränderlicher Festpreis ist. Wenn ein Interessent im Workshop diese Summe nicht bezahlen kann, ist ein Entgegenkommen seitens Virtues Project international möglich.
Trotz (oder wegen?) aller Unterschiede wurde viel gelacht und fühlten sich alle nach zwei Stunden herrlich inspiriert und miteinander verbunden. Der IAC wird noch öfter zu solchen Thementreffen einladen und freut sich, wenn möglichst viele von uns erzählen, wie sie mit dem Virtues Project unterwegs sind. Mich hat der Abend so inspiriert, dass ich ganz spontan einen Einführungskurs für Mitte Oktober geplant habe, sechs Abende je zwei Stunden. Wie eine Teilnehmerin sagte: „Lasst uns die 5 Strategien und die Tugenden alle zusammen weiter in die Welt tragen, sie kann es brauchen!“
Mathe, Deutsch oder Biologie: Fächer, die wirklich jeder aus seiner Schulzeit kennt. Das Ricarda-Huch-Gymnasium aus Gelsenkirchen hat jetzt aber ein neues, ganz anderes Projekt auf dem Stundenplan: Tugend-Training.
Achtsamkeit, Geduld und Akzeptanz
Die Schüler lernen von Trainerin Ina Seidel-Rarreck ihre Stärken zu erkennen, zu trainieren und gezielt einzusetzen. Die Liste der Tugenden ist lang: Neben Achtsamkeit, Geduld und Akzeptanz sind noch viele weitere Tugenden auf der Liste. Für die Schüler steht in dieser Unterrichtsstunde „Mut“ auf dem Lehrplan.
Projekt einmal pro Woche
Zuerst wird im Stuhlkreis besprochen, was Mut eigentlich ist. Dann macht die Klasse verschiedene Experimente. Die gelernte Tanzlehrerin hat sich für diese Arbeit beim Virtues Project ausbilden lassen. Übersetzt bedeutet das „Tugenden Projekt“. Jetzt bietet Ina Seidel-Rarreck entsprechende Workshops an verschiedenen Schulen an. Das Projekt findet einmal pro Woche statt. Noten gibt es dafür keine.
Wie ich die 5 Strategien des Virtues Projects in meinem Reiseunternehmen nutze
Ein Beitrag von Katja van Leeuwen
Meine Begeisterung für Pferde, Reiten, Reisen und Organisieren hat 1993 das Reiseunternehmen Katja van Leeuwen Reitferienvermittlung ins Leben gerufen.
Seit ich 2004 als junge Mutter das Virtues Project kennenlernte, habe ich die 5 Strategien kontinuierlich in immer mehr Lebensbereichen geübt, genutzt und mir zu eigen gemacht. Ich war so angetan vom Virtues Project, dass ich 2008 den Verein in Deutschland mitgründete und mich zum Master-Facilitator ausbilden ließ.
So liegt es auf der Hand, dass neben meiner Persönlichkeit, meiner Familie und meinem Umfeld auch mein Unternehmen von der inneren Haltung dieses Gedankenguts profitiert:
Eine wertschätzende und werteorientierte Geschäftskultur ist mittlerweile die Stärke meines Unternehmens und Teams geworden. Auch den Vertrieb und das Customer-Relation-Marketing (CRM) konnte ich mit den 5 Strategien verfeinern und so auch meine Abschlüsse erhöhen. Ich habe Tugenden wie Initiative, Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Integrität, Verantwortung, Beständigkeit, Loslösung und Selbstfürsorge entfalten müssen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.
Im Juli 2013 wurde ich für mein CRM mit dem Großen Preis des Mittelstands „den Ludwig“ durch die IHK Bonn/Rhein-Sieg ausgezeichnet.
Als Unternehmerin ist es für mich ein Geschenk, im Umgang mit Mitarbeitenden, Kund(inn)en und Geschäftspartner*innen die 5 Strategien des Virtues Projects zu nutzen: die Sprache der Tugenden zu sprechen und lehrreiche Momente aus Krisen zu nutzen; wirklich zuzuhören, statt Ratschläge zu erteilen; in der Geschäftsführung immer wieder für Klarheit zu sorgen; Zeit zu nehmen, unsere Erfolge zu feiern. Es macht so viel Freude und es tut so gut, Freundlichkeit, Dankbarkeit, Treue, Dienstbarkeit und Verbindlichkeit zu leben und zum Ausdruck zu bringen.
Wie ich die 5 Strategien des Virtues Project bei der Führung der Mitarbeitenden nutze, teile ich gerne mit anderen Interessierten. Dazu habe ich zahlreiche Anregungen in einem Dokument auf meiner Seite hinterlegt.
Wer Interesse an einer tugendorientierten dreijährigen Berufsausbildung in Marketing-Kommunikation, Büromanagement oder Tourismus oder einem Praktikum in der Reitferienvermittlung in Königswinter hat, besuche die Karriereseite.
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